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DAY TWO / Ein Tag im Leben von David

Mit David zu drehen, ist ein bisschen, wie einem seltenen Tier in freier Wildbahn zu folgen. Ihn überhaupt vor die Linse zu bekommen, erforderte einiges an Hartnäckigkeit und koordinativer Anstrengung. Zu viele Termine. Theaterproben. Bandproben. Auf Tour, bis zuletzt mit Gunter Gabriel (RIP). Letztlich klappt es ganz spontan doch. Wir könnten ihn begleiten zum Staatstheater Darmstadt, wo er abends eine Vorstellung als Theatermusiker habe. Allerdings müssten wir mit ihm vorher zum Friseur. Dringend! Wir willigen ein und planen den Tag.

Am Drehtag erfahren wir, dass der Termin bei seinem Friseur platzt. Planänderung. Wir sollen uns im Laufe des Tages noch daran gewöhnen, dass in Davids Alltag kaum etwas „nach Plan“ läuft. 
Gottseidank macht uns Gagey, mit dem wir am Vormittag drehen, kurzfristig einen Termin bei seinem Maestro klar. 

Mit Wuschelkopf erscheint David pünktlich beim italienischen Herrenfriseur und lässt sich von uns während des Schneidens interviewen. Wir sprechen mit ihm über Beruf und Berufung. David kommt aus musikalischem Hause, der Vater ist ein bekannter Komponist. Seine Zukunft als Musiker stand für ihn schon früh fest.

Der Friseur ist fertig und Davids Haar nicht merklich kürzer, scheint nur adretter gelegt. David trägt es mit Fassung. Wir haben es eilig, Davids Equipment muss noch am Spielort des Vorabends eingesammelt werden.

Wir folgen der unfreiwilligen Howard Carpendale Gedächtnismatte durch den Mannheimer Jungbusch, auf der immer verzweifelteren Suche nach Davids Auto. Er weiß nicht mehr, wo er es abgestellt hat. Während des Laufens telefoniert er mit der Maskenbildnerin des Theaters und versucht sie davon zu überzeugen, ihm gleich nach seinem Eintreffen am Theater die Haare noch einmal zu schneiden. So könne er keinesfalls auf die Bühne. Wir registrieren, der Typ mit den ausgetretenen Schuhen, der augenscheinlichen Flohmarktbrille und dem klaffenden Riss in der Hose ist eitel. Letztlich finden wir sein Auto. Samt Strafzettel. Na wunderbar. Er quittiert es beiläufig.

Auf der Fahrt erzählt uns David vom ewigen Spagat zwischen künstlerischem Idealismus und Lebensrealismus. Davon, dass er an Excel-Listen einzig ok findet, dass man sie bunt machen kann. Davon, dass er so verdammt dringend einen Manager brauche, der sein Leben organisiere. Weil er selbst verwundert sei, dass er bei allem Chaos, bei allem Rock’n’Roll, bei allen erschwerten Umständen, die es bedeuten würden, ER zu sein, bislang rechtzeitig zu jedem einzelnen Gig geschafft habe. Selbst wenn durchzechte Nächte, hunderte Kilometer und zu wenig Zeit zwischen zwei Auftritten lägen.

Die Maskenbildnerin schneidet ihm nach dem Soundcheck im Express-Verfahren die Haare. Sie hat sich von Davids Charme bezirzen lassen. Man kann auch kaum anders. Während der Zeit mit David werden auch wir ganz automatisch zu seinen Helferlein. Wir be- und entladen mit ihm sein tapfer-wackliges Auto, fahren es für ihn aus Halteverbotszonen und suchen für ihn panisch nach Ansprechpartnern vor Ort. David ist Chaos. Drama. Man schwankt permanent zwischen dem Drang, ihn beschützend zu umarmen und ihm eine Kopfnuss für so viel Wunderlichkeit zu geben. David ist unverstellt und schonungslos echt. Vermutlich die Voraussetzung zur großen Kunst.

Schminken muss er sich selbst. Währenddessen erzählt er, wie er einmal ausversehen seine Gitarre überfuhr. Versichert ist er nicht. Natürlich nicht. Man kann nur beten, dass sich wirklich bald ein Manager findet, der sein Leben organisiert.

Kurz darauf öffnet sich der Vorhang zur Vorstellung. Als David mit seiner Gitarre auf die Bühne tritt, sie spielen „Die Räuber“, trauen wir unseren Augen kaum. Trägt er doch tatsächlich eine Perücke? Wofür zur Hölle der Friseur-Hustle? 120 Minuten spielt, schreit, singt und schlägt Davids Figur um sich – 5 Minuten vor Schluss wird er zu Boden gestoßen, ihm die Perücke vom Kopf gefegt. Wir sind versöhnt!

David arbeitet aktuell an seiner Solo-Platte. Wir sind sowas von gespannt! Viel Glück, David. Und hey, pass auf Dich auf Junge! 


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